| JY1 König Hussein I. von Jordanien, SK |
QSL-Galerie
RealAudio: JY1 im QSO mit Owen Garriott, W5LFL
Space Shuttle "Columbia"
"Name is Hussein, QTH is Amman..."
"Erst wollte
ich es nicht glauben, als er auf meinen CQ-Ruf zurückkam - dann konnte ich
nur noch stottern. Wie rede ich ihn denn jetzt an?, durchfuhr es mich - einfach
'OM Hussein' oder doch lieber 'Your Royal Highness'? "So oder so ähnlich
mögen jene erzählen, die eine unerwartete Ätherwellen-Begegnung
mit Jordaniens König Hussein I. hatten. Seine Biografie und sein
politisches Wirken wurden von den Medien ausführlich gewürdigt; eine
ausführliche offizielle Homepage inklusive Bild und Ton gibt es bei
http://www.kinghussein.gov.jo/ --
Wir begnügen uns mit einigen Stichworten und widmen unseren
Rückblick vor allem der Erinnerung an den Funkamateur JY1.
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Elhussein bin Talal, nach offiziellen Angaben direkter Nachfahre des Propheten Mohammed, wurde geboren am 18. Sha'aban 1354 Hijri (14. November 1935) und wuchs heran unter der Aufsicht seines Großvaters, König Abdullah, seines Vaters, König Talal, und seiner Mutter, Königin Zain. Seine Erziehung erfolgte in der Nationalschule und am Islamischen Kolleg in Amman, am Victoria College in Alexandria und ab 1950 in der Harrow School in England. Dort erhielt er von Freunden als Geschenk einen Empfänger von Hallicrafters. "Damals begann ich mich dafür zu interessieren, wie Menschen miteinander kommunizieren", bekannte er Jahre später in einem Interview. |
| König Abdullah fiel 1951 einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger, König Talal, mußte schon nach wenigen Monaten eines Nervenleidens wegen abgesetzt werden. Am 11.August 1952 wurde der erst siebzehnjährige Hussein zum König des Haschemitischen Königreichs ausgerufen, jedoch besorgte ein Thronrat die Amtsgeschäfte. | |
Hussein beendete
zunächst seine militärische Ausbildung in England, in Sandhurst, ehe
er am 2.Mai 1953 formell den Thron bestieg. Aus England und später aus den
USA kehrte er als begeisterter Flieger und von einem seiner Trainingslager
schließlich auch als Funkamateur in seine Heimat zurück.
Ein Staat auf dem Weg zur Eigenständigkeit
Jahrhundertelang hatte das
schon in vorchristlicher Zeit von Arabern besetzte Ostjordanland zu Syrien
gehört und war unter den osmanischen Sultanen von 1516 bis 1918 der
Provinz Damaskus zugeteilt. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zusammen mit
Palästina unter britisches Mandat. 1921 trennten die Briten das Gebiet
östlich des Jordans als "Transjordanien" von Palästina ab und setzen
Husseins Großvater Abdullah als ersten Emir in Amman ein. Das Land wurde
aber weiterhin von einem britischen Hochkommissar verwaltet. Aus jener Zeit
stammen die ersten Aktivitäten in der Region stationierter britischer
Funkamateure unter dem Rufzeichen ZC6. Am 22. März 1946 erhielt
Transjordanien nominell die Unabhängigkeit, und der Emir nahm den
Königstitel an. Diese Staatsgründung führte auch erstmals zur
Anerkennung als DXCC-Land.
Im Israelisch-Arabischen Krieg von 1948
besetzte die Arabische Legion des Königs die östlichen Teile
Palästinas (die seit 1967 von Israel besetzte "West Bank") und die
Altstadt Jerusalems (deren offizielle Eingliederung 1950 erfolgte), und der
Landesname wurde in "Haschemktisches Königreich Jordanien" geändert.
Noch bis 1956 war das britische Militär als eigentliche Führungskraft
der Arabischen Legion präsent - und aus dieser Zeit stammen die ersten
Nachweise von Funkverbindungen mit dem Kenner JY1 (JY1OG, Geoff Stevensen, und
JY1PB, Neville E. Wicks
G3IJO, zuvor DL2PA und DL2PG, später VQ4FI). Auch Gus Browning hielt auf
seiner DX-Reise 1965 Zwischenaufenthalt in Jordanien und aktivierte
4X1DK und
JY74
Hussein reaktivierte JY1 als sein eigenes Rufzeichen (ohne
Suffix - ein königliches Privileg unter souveränem Verzicht auf
internationale Regelungen) Ende der sechziger Jahre. Seine erste Station hatte
er aus den Staaten mitgebracht: Die legendäre Drake-Line mit dem
Empfänger R4B, dem Sender T4-XB und der Endstufe L4B, betrieben an einer
Antenne von Hygain. Er hielt Drake die Treue - die Firma beeilte sich, ihm
sofort jede Neuentwicklung zu widmen - bis zur 7er-Line, wechselte aber nach
1990 zu Icom, dessen 781 er sehr schätzte.
Hussein sah den
Amateurfunk nicht bloß als privates Hobby an. Vielmehr demonstrierte er
auf diesem Weg bewußt sein Bekenntnis zu technischer Innovation und die -
für einen absolut regierenden Monarchen ungewöhnliche - Aufhebung der
Distanz von Rang und Herkunft: "Der Amateurfunk hat mir ermöglicht,
Menschen in aller Welt zu begegnen, dem einen oder anderen auch
persönlich, und zu erkennen, daß wir zu einer einzigen großen
Familie gehören, deren Heimat heute die ganze Welt ist", zitiert ihn 1993
G3XDV in einem Interview für die Zeitschrift RadCom. Und weiter: "Oft hat
Amateurfunk uns geholfen, humanitäre Hilfe zu organisieren, vor allem
1967-1970, als die konventionellen Fernmeldeanlagen schwer beschädigt
waren." Dies ist ein vorsichtig formulierter Hinweis auf die damaligen
krisenhaften und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region. Auch die
"Lizensierung" seiner zweiten Frau, Königin Muna, als JY2 war nicht
zuletzt eine politische Kundgebung und als Stärkung der Rolle der Frau in
der arabischen Gesellschaft gedacht.
"Ich haben durch mein
persönliches Beispiel viele Jordanier ermutigt, sich auf diesem Gebiet zu
betätigen - sowohl technisch als auch, was ebenso wichtig ist, in der
zwischenmenschlichen Kommunikation". Diese Aussage Husseins war zunächst
Wunschdenken. Anfänglich konzentrierte sich die Amateurfunktätigkeit
auf den königlichen Hof: Königin Muna, JY2; den persönlichen
Adjudanten Major Zaza, JY1/B; Kronprinz Hassan bin Talal, JY2HAT; Zedan Hussein
JY6FC (später JY3ZH, 8Z4A) und Prinz Ra'ad, JY2RZ, den ersten
Präsidenten der vom König im Januar 1971 gegründeten "Royal
Jordanian Amateur Radio Society"(Diplom der RJARS). Bald aber wurden in immer rascherer
Folge neue Rufzeichen ausgegeben: JY4-6 für Jordanier,
JY7 1980 zum 45. Geburtstag des
Monarchen, JY8 und
JY9 für Ausländer
und Gastlizenzen,
JY25 1977 zum 25jährigen
Regierungsjubiläum, JY50
1985 anläßlich Husseins 50. Geburtstags. -- Alle Mitglieder des
Königshauses genießen automatisch Amateurfunk-Privilegien. Die aus
den USA stammende Königinwitwe, Queen Noor, ist JY1NH, der ehemalige
Kronprinz Hassan ist JY2HT. König Abdullah scheint allerdings, zumindest
derzeit, nicht mit einem Rufzeichen auf.
Gruß aus dem Orbit
JY1 nützte vor allem
in den ersten Jahren jede freie Minute für sein Hobby und wies Besucher
gern auf die vielen Diplome und das DXCC mit der beeindruckenden Anzahl von
Stickern hin. Er hatte ein QSO mit seinem königlichen Funkfreund EA0JC,
Juan Carlos von Spanien, und er hätte gern auch eines mit VU2RG
geführt, aber der indische Ministerpräsident war nicht einmal
für einen so prominenten Partner aufs Band zu bringen und zog ein
Gespräch unter vier Augen vor.
Besonders stolz war Hussein auf
sein QSO mit dem ersten funkenden Astronauten, Owen Garriott, W5LFL, beim 92.
Überflug mit dem Space Shuttle "Columbia", anläßlich der
Mission STS-9. Um diese für beide Seiten medienwirksame Begegnung
sicherzustellen, hatte die ARRL eigens Dave Bell W6AQ und Duane Dahlberg WB6WMA
nach Amman delegiert. Dave berichtete über den Einsatz:
"Die
Verbindung war für Sonntagmorgen, den 14. Dezember 1983, acht Uhr
Lokalzeit, angesetzt worden. Am Samstagabend bauten Duane und ich die
Videoanlage im königlichen Shack auf. Major Ali Shukri, JY3AK, der
Kommunikationsratgeber des Königs, und Bruce Blackburn, JY9BB (W4TA), von
der US-Botschaft kontrollierten noch einmal die beiden 2m-Anlagen, die eigens
für diesen Sked errichtet worden waren. Am Sonntag waren offenbar alle
außer König Hussein sehr nervös, und die Unruhe wuchs, als wir
fünf Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt die TV-Aufzeichnung starteten
- und zunächst nichts geschah. Aus unerfindlichen Gründen rief Owen
erst mit beträchtlicher Verspätung, als sich die 'Columbia' bereits
über dem Golf von Aqaba befand; aber seine Stimme kam laut und klar durch.
Der Rest ist Geschichte. Das QSO endete allerdings aufgrund des
verzögerten Beginns nicht mit dem üblichen gegenseitigen '73', weil
die 'Columbia' bald unter dem Horizont unterging."
| RealAudio: JY1 im QSO mit Owen Garriott, W5LFL Space Shuttle "Columbia" [real audio] [mp3] | ![]() |
"Die Maschine der
jordanischen Fluglinie ALIA nach New York sollte um elf Uhr starten. Ich
verstaute in aller Eile meine Video- und Audiokassetten und raste zum
Flughafen. Meinetwegen hatten die Passagiere fast eineinhalb Stunden in der
startklaren Maschine ausharren müssen, und als ich an Bord kam,
bemühte ich mich sehr, möglichst unbeteiligt dreinzuschauen. Die
Maschine rollte los, noch ehe ich meinen Sitzplatz eingenommen hatte."
Welch großes Anliegen der Amateurfunk dem König war, beweist auch
seine aktive Einflußnahme bei der Schaffung der WARC-Bänder.
Daß der König den Amateurfunk als
grenzüberschreitendes, völkerverbindendes Medium ansah, bewies er
nicht nur dadurch, daß er darauf bestand, auf dem Band wie jeder andere
Amateur auch bloß mit dem Vornamen angesprochen zu werden. Geradezu
symbolisch war z.B. seine Teilnahme an einem Field-Day auf dem Berg Hermon, wo
1995 Israeli und Jordanier gemeinsam die aus den Rufzeichen der beiden Staaten
gemixte Station JY74X betrieben.
Die
QSL von JY1 - eine begehrte Trophäe
Mary Ann Crider WA3HUP
erinnert sich: "Als ich im Februar 1970 mein erstes QSO mit ihm führte,
schrieb ich ihm, es würde mir eine Ehre sein, ihm als QSL-Managerin zu
dienen, sollte er jemals Bedarf an solcher Hilfe haben. Kurz darauf rief mich
ein Funkamateur an und sagte, JY1 sei auf 10m auf dem Band und wolle mich
sprechen. Ich schaltete sofort mein Gerät ein und ging auf die Frequenz.
JY1 fragte mich, ob mein Angebot noch aufrecht sei, und ich sagte:
'Selbstverständlich. Es wäre mir eine Ehre und Auszeichnung.' Kurz
darauf kam mit der Post ein dicker Umschlag mit Logs, Blanko-QSL-Karten und
vielen Briefen, die zu beantworten waren. ... Als ich mein erstes QSO mit JY1
führte, war Jordanien ein neues Land für mich, und ebenso Neuland.
Ich ahnte nicht, daß dies der Beginn einer großen Freundschaft
werden sollte: Fünfmal war ich als Gast des Königs in seinem Land."
(Brief an die QSL COLLECTION vom 22. Ferbruar 1999) Zitat im Original: "Yes, we
have lost a great human being, a friend of the people and a Prince of Peace."
JY1 bestätigte mit vier verschiedenen QSL-Karten. Jene mit dem
königlichen Wappen auf der Frontseite
und dem Namensstempel auf der Rückseite
wurde von seiner QSL-Managerin in den USA ausgestellt, Mary Ann Crider WA3HUP
(in Jordanien: JY9AA). Wer sich direkt an das
Postfach 1055 in Amman wandte, erhielt eine QSL, die auf der
Vorderseite die Königskrone in
Goldprägung zeigt und auf der Rückseite
persönlich unterschrieben ist, mit dem stereotypen Zusatz "QSL best
regards and wishes" - offenbar auf Vorrat geschrieben; die Details wurden
nachgetragen unter Aufsicht von Major Ali Shukri JY3AK, dem
"Kommunikationsratgeber seiner Majestät". Bevorzugte QSO-Partner erhielten
eine Faltkarte mit roter Frontseite und
goldenen Kreisen um das Rufzeichen; sie wurde sowohl in den USA als auch direkt
ausgestellt. (Innenseite links -
Innenseite rechts).- Als besondere
Auszeichnung gab es eine großformatige
QSL mit aufgeklebten Originalfoto des Monarchen.
Mit Gastlizenzen
meldete sich Hussein auch aus Spanien und den USA sowie von seinen Residenzen
in Wien und Ascot - von dort war er als G0/JY1 sogar noch in den Wochen vor
seiner Einlieferung in die Mayo-Klinik aktiv, wie meist auf 20m in SSB. Ein
Zitat von 1993 zu seiner Station auf dem englischen Landsitz vermittelt einen
ungewöhnlichen Einblick in den Charakter des Monarchen: "Unlängst gab
es eine kleine Katastrophe mit der Antenne. Sie bekam einen Knick, und als wir
sie abmontieren wollten, stürzte sie ab - ganz so, wie es auch mir ein
paarmal im Leben ergangen ist. Aber jetzt ist sie wieder auf ihrem alten Platz
und funktioniert wie seit eh und je."
König Hussein I. von
Jordanien starb am 7. Februar 1999 in Amman an den Folgen eines
Krebsleidens.